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Interview mit Debbie Harry
"Kurze Röcke stehen mir noch gut"

Die Sängerin hat sich neu erfunden.
Statt auf Blondie-Punk
setzt sie auf Elektromusik.
Statt Drogen gibt es Wasser.
Ein Gespräch über Warhol,
Mode und den Niedergang New Yorks.
Stilikone: Debbie Harry, 61, weiß,
wie man in Würde altert

Deborah Harry, 61, darf sich
alles herausnehmen - auch
ein Interview kurzfristig abzusagen.
Die Sängerin der Band Blondie
prägte in den ausgehenden
70er-Jahren eine neue
Frauen-Generation: forsch und sexy.
Sie verkörperte das Pin-up-Girl
der New Yorker Punk-Szene
und später der aufstrebenden
New-Wave-Ära.
Mit Disco-Hits wie "Call Me" und
"Heart of Glass" eroberte sie die
Charts. Andy Warhol war mit ihr
befreundet, Madonna kopierte
ihren Look, und der
Elektronik-Popper Moby
bat die charismatische Sängerin
kürzlich ins Studio, um mit
ihr das Lied "New York, New York"
aufzunehmen.

Zu unserem Termin schleicht
Debbie Harry gegen 10 Uhr
morgens ins Büro ihres
Managements, es ist der
zweite Versuch eines Gesprächs.
Sie wirkt gelöst,
aber nicht sonderlich interessiert.
Ihre Stimme piepst.
Nur wenn sie lacht,
klingt sie rau - so als scheppere
ein ganzes Kneipenmobiliar mit.


WELT.de: Miss Harry, mit Ihrem
neuen Lied singen Sie eine
Hymne auf New York. In welchem
Stadtteil leben Sie eigentlich?
Debbie Harry: Ich habe mir 1987
eine Wohnung in Chelsea
gekauft - im westlichen Manhattan.
WELT.de: Ist das Ihr ganz
persönliches, verrücktes New York?
Harry: Hören Sie auf, es geht
um ein Lebensgefühl. Dass man
in New York abtauchen, sich gehen
lassen und versacken kann.
Nachtleben ist verbunden
mit der Idee, high zu werden -
und da gibt es eine Menge
Möglichkeiten.
Früher habe ich Drogen genommen,
aber das ist glücklicherweise
vorbei. Zu viele Freunde sind an
Drogen gestorben.
WELT.de: Madonna singt auf ihrem
letzten Album ziemlich frei
übersetzt:
"New York ist nichts für kleine Mädchen,
die heulen."
Harry: Richtig. New York ist
nichts für willensschwache Menschen.
WELT.de: Die typische New Yorkerin
ist hingegen wie?
Harry: Erst einmal eine Frau,
die sich für das Stadtleben
begeistert. Ein offener Mensch,
der Karriere machen,
mehr erleben will und
gut auf sich aufpassen kann.
WELT.de: Sie stammen aus
New Jersey, waren Sie immer
stark genug für New York?
Harry: Jeder hat seine
schwachen Momente.
Für mich war der Moment
gekommen, als meine erste
Band sich auflöste, das
war in den späten 60er-Jahren.
Ich war fast pleite und hatte
keine Ahnung, wie ich die
nächste Woche über die Runde
kommen soll. Da will man
schon das Handtuch schmeißen.
WELT.de: Und warum haben
Sie es damals nicht getan?
Harry: Weil ich noch jung war -
und nicht wollte, dass meine
Eltern recht haben. Sie
hätten mich lieber in
New Jersey gesehen,
mit einem netten Ehemann
und sicherer Zukunft.
Ich wollte mich durchsetzen,
interessante Menschen treffen
und mit ihnen etwas aufbauen.
WELT.de: Sie zogen 1965 nach
New York, wen wollten Sie dort treffen?
Harry: Künstler. Ich habe mich
damals für Kunst interessiert.
Es gab überall Happenings,
spontane Aktionen in Galerien,
die Stadt lebte. Andy Warhol
und seine Clique waren echt
durchgeknallte Freaks. Es
herrschte eine große Bandbreite,
aber der Kreis der Künstler
war eher klein. Man lernte sich
dadurch schneller kennen.
WELT.de: Sie haben als Kellnerin im
"Max's Kansas City" gearbeitet -
Andy Warhols Lieblingsclub.
Um ihn dort kennenzulernen?
Harry: Als ich mich dort beworben
habe, war ich ein wenig naiv.
Vorher hatte ich kleine Jobs
als Kellnerin und auch mal
als Kosmetikerin. Ein Freund
gab mir dann den Tipp,
dass im "Max's Kansas City"
Kellnerinnen gebraucht werden.
Er sagte mir aber nur, dass es
ein ziemlich beliebter Laden sei.
WELT.de: Sie waren vorher nie dort?
Harry: Das konnte ich mir
nicht leisten. Sie können sich
vorstellen, wie erstaunt ich war,
als ich anfing dort zu arbeiten -
und plötzlich Andy Warhol
mit seiner Entourage durch
die Tür kam.
WELT.de: Dann haben
Sie sich ihm erst einmal vorgestellt?
Harry: Er war damals schon ein Star.
Das hätte ich nie gewagt.
Wir haben uns zwar gesehen,
aber ich glaube kaum, dass wir
offiziell miteinander bekannt
gemacht wurden. Wenn ich
überhaupt in seiner Welt
existierte, dann als Fleck
auf seiner Tapete. Erst Mitte
der 70er-Jahre, als Blondie
erste Auftritte hatte, lernten
wir uns richtig kennen.
WELT.de: Was haben Sie von ihm gelernt?
Harry: Dass man Kunst und
Kommerz verbinden kann, ohne
sich aufzugeben. Andy war ein
scharfer Beobachter. Er analysierte
Trends genau - und machte
etwas ganz Neues daraus.
Er war auch ein guter Zuhörer.
Wenn man sich mit ihm unterhielt,
hatte man immer das Gefühl,
dass er genauso viel gab,
wie er nahm. Ich erinnere mich,
dass wir abends oft essen gingen,
um uns herum sechs oder
sieben Menschen, manche
davon berühmt, manche nicht,
und Andy wollte von jedem
hören, was er zu sagen hatte.
Er wollte teilhaben an ihrem
Leben. Er gab einem das Gefühl,
dass man plötzlich im Zentrum
der Aufmerksamkeit stand.
WELT.de: Lebt diese vergangene
Zeit heute für Sie in New York weiter?
Harry: Nein. New York ist
nicht mehr aufregend, es ist
sehr Middleclass geworden.
Die Menschen sehen die Stadt nur
noch als Immobilieninvestition,
überhaupt nicht mehr als
kulturelles Herzstück.
Außerdem wirkt New York nicht
mehr so robust, wie es einst war.
WELT.de: Im September hat auch
noch das "CBGB's" geschlossen -
der Club, in dem Sie und
Musiker wie Patti Smith oder
die Ramones berühmt wurden.
Harry: Das tut weh. Mein Ort der Liebe!
Als wir dort anfingen zu spielen,
war ich bis über beide Ohren in
Chris verknallt, den Gitarristen
von Blondie.
Ich wurde die verrückte junge
Debbie, die nicht mehr verzweifelt
jeden Job annehmen, nicht mehr
jeden Cent umdrehen musste,
sondern feiern konnte. Das kam
in dieser Zeit alles zusammen.
WELT.de: Jeder Mann im Publikum
wollte mit Ihnen ausgehen.
War das nicht schwierig für
Ihren Partner?
Harry: Ja, er fühlte sich
verantwortlich. Er wollte
mich beschützen. Als Blondie
berühmt wurde, ging das nicht
mehr. Deshalb engagierten wir
einen Bodyguard. Er war ein
ehemaliger Fallschirmjäger,
so ein richtiger Daddy-Typ.
Wenn die Leute uns verfolgten,
sagte er immer: Geht schön
nach oben aufs Zimmer, ich
kümmere mich darum.
WELT.de: Sie trugen früher
gern Minirock zu hohen Stiefeln,
die Mädchen von heute auch,
gefällt Ihnen das?
Harry: Manchmal kann ich
darüber nur lachen.
WELT.de: Wann zum Beispiel?
Harry: Wenn Menschen ohne
Geschmack sich solche
Outfits einfach über den
Körper werfen. Vor zehn Jahren
hätte dieselbe Person
die Kleidung angesehen und
gedacht: Mein Gott, wie
furchtbar - in so etwas will ich
nie gesehen werden! Jetzt
feiern die Leggings ein
Comeback, und sofort kauft
sich diese Person eine.
Ich beobachte die Zyklen
sehr genau. Mode interessiert mich.
Wenn ich dabei etwas gelernt
habe, dann das: Nicht jede
Mode sieht bei jedem gut aus.
WELT.de: Was sieht bei Ihnen
nicht gut aus?
Harry: Kurze Röcke stehen
mir noch gut. Lange
Kleider passen dagegen
überhaupt nicht zu mir.
Oder diese tief sitzenden
Jeans, wie sie die Hip-Hop-Generation
trägt. Andererseits hasse
ich auch Hosen, die ganz hoch
über den Hüften sitzen.
Das korrespondiert einfach
nicht mit meinem Körperbau.
Da fühle ich mich immer
sehr unwohl.
WELT.de: Wie hat sich die
Frauenmode im Vergleich
zu den 70er-Jahren geändert?
Harry: Sie gibt Frauen
mehr Raum.
Junge Frauen quälen
sich nicht mehr mit unseren
Problemen von damals
herum - ob man bestimmte
Körperteile wie die
Schulter jetzt bedecken
muss oder nicht. Ob
man die Unterwäsche
bei einem Minirock sehen
darf oder nicht. Für die
Frauen heute ist es klar,
dass sie sich anziehen,
um die Blicke der Menschen
auf sich zu ziehen.
Ihr Verhältnis zum
eigenen Körper ist von
mehr Freiheit geprägt.
WELT.de: Welchen Schönheitstipp
geben Sie jungen Frauen auf den
Weg?
Harry: Wasser, Wasser
und nochmals Wasser.
Das habe ich in harten
Jahren des Tourens gelernt.
WELT.de: Ein Tipp Ihres
engen Freundes Marc Jacobs?
Harry: Er ist ein großartiger
Designer. Aber nein, solche
Tipps brauchte ich bisher
noch nicht von ihm. Er hat
einige Male angeboten,
mich für bestimmte Anlässe
einzukleiden - und ich
habe seine Großzügigkeit
dankend angenommen.
WELT.de: Was macht seine
Kollektionen aus?
Harry: Sie sprechen für seine
Einfühlsamkeit. Er ist kein
Kreativer, der nur eine Kollektion
herausbringt - und sich
dann immer wieder selbst
kopiert. Wie ein richtiger
Künstler hat er Perioden.
Seine Einflüsse reichen
über verschiedene Jahrzehnte,
und er erfindet sich immer
wieder neu. Er schafft es
zum Beispiel, aus historischen
Ideen neue Impulse zu ziehen,
etwas Frisches für heute
herauszukristallisieren.
WELT.de: Ihr Lieblings-Outfit
von ihm?
Harry: Die kleinen
Seidenkleider. Wunderschön.
Oder die übereinander
angezogenen Sweaters
aus der neuen Kollektion.
Und die Schuhe! Die Taschen!
Ich kann gar nicht aufhören.
WELT.de: Wenn Sie sich
anziehen, gehen Eitelkeit
und Stil Hand in Hand?
Harry: Ich hoffe doch sehr.
Auch in meinem Alter will
ich gut aussehen. 

une grande dame d'un temps avant...

5.1.07 16:29
 


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