.principal.
moi_le.chaton
Book
Contact
Abo?
.la.fille.
sur_moi
le.monde_intellectuel
Photos
.autres.
le.brouhaha_de_la.madame
son.amour_ŕ.l'art
Questions
.Credits.
Design
Designer
Host

Interview mit der Bodyshop-Gründerin
"Es ist obszön, reich zu sterben"

Body-Shop-Gründerin Anita Roddick
hat ihre Firma verkauft und will
mit dem Geld nur Gutes tun.
Zu Weihnachten verschenkt sie
Kühe und Schafe. Und wünscht
sich selbst andere Beine.
Immer noch auf Mission:
Anita Roddick, 64 

Die vergangenen acht Monate
sind Anita Roddick nicht
anzumerken. Dabei soll sie
die Engländerin im Bett des
Feindes verbracht haben.
So sehen das manche, seit
die Body-Shop-Gründerin und
engagierte Tierversuchsgegnerin
im März ihre Anteile an der
Naturcremekette an den
weltgrößten Kosmetikkonzern
L'Oréal verkauft hat.
Viele von ihnen hatten
Roddick als "Queen of Green"
verehrt, bevor sie zum Boykott
der Body Shops aufriefen,
weil L'Oréal immer noch
Inhaltsstoffe an Tieren teste.
Andere, darunter
Greenpeace-Campaign-Direktor
John Sauven, nahmen sie
öffentlich in Schutz.
Roddick selbst verwies immer
darauf, dass man Aktien nicht
spenden könne und sie den
Deal als Chance betrachte,
den Konzern zu verändern.
Bereut habe sie nur eines -
den Börsengang von 1984,
durch den sie ihre Firma den
"Dinosauriern in Nadelstreifen"
ausgeliefert habe. Als Beraterin
für Body Shop reist Roddick
immer noch um die halbe Welt.

WELT.de: Hallo, Frau Roddick,
woher kommen Sie gerade?
Anita Roddick:
Ich war zwei Tage
in Delhi, um Body Shop dort
einzuführen. Aber ich habe
nichts von der Stadt gesehen,
nur Journalisten. Es war wie
Teenagersex: rein, raus, rein, raus,rein, raus.
WELT.de Haben Sie eigentlich noch
ein Zuhause?
Roddick: Ja, in Sussex, an der
Costa Geriatrica. Mein Mann baut
sogar Wein an.
WELT.de: Arbeiten Sie gemeinsam?
Roddick: (lacht) Ja. Wir leben sogar
noch zusammen! Wir arbeiten
an unserer Stiftung und suchen
nach Dingen, die wir unterstützen
können: Projekte gegen Klimawandel,
häusliche Gewalt oder für s
oziale Gerechtigkeit.
WELT.de: Mittlerweile animieren
Sie auch andere Frauen zur
Arbeit von zu Hause: Sie sollen
in ihren Wohnzimmern
Body-Shop-Produkte an
Bekannte verkaufen.
Roddick: Ja, das Big Business
schafft keine Jobs mehr,
nur Reichtum für einige wenige.
Alles passiert heute elektronisch
oder am anderen, billigeren
Ende der Welt.
The Body Shop at Home
ermöglicht Frauen, unter dem
Schutz einer respektierten
Marke Unternehmerin
zu werden - auch solchen,
die wenig Selbstwertgefühl haben,
weil sie seit Jahren keine Arbeit
mehr haben. Mir ist das Projekt
auch wichtig, weil es mich an
meine Body-Shop-Anfänge erinnert.
WELT.de: Woran denken Sie da?
Roddick: Wenn ich im Geschäft
nicht gut genug verdient hatte,
packte ich meine Produkte
in eine große Tüte und klopfte
an Türen. Ich ging raus zu den
Kunden und zog sie rein.
WELT.de: Apropos Anfänge.
Der Legende nach haben Sie
Body Shop nur gegründet,
weil Ihr Mann 1976 nach
Südamerika aufbrach, um
von Buenos Aires nach New York
zu reiten, und Sie mit zwei
kleinen Kindern allein und
ohne Geld zurückließ. Heißt das,
Ihr Geschäft hätte es ohne
die Abenteuerlust Ihres Mannes
nie gegeben?
Roddick: Vielleicht. Andererseits
hatten wir davor ein Restaurant,
und ich brannte darauf, etwas
anderes zu machen, denn
es gibt keinen härteren Job,
als zu arbeiten, wenn andere
freihaben. Aber wer weiß,
vielleicht wäre alles ganz
anders gelaufen ...
WELT.de: ... und Sie hätten die
letzten 40 Jahre als Hausfrau
verbracht?
Roddick: Hausfrau? Niemals!
Ich bin eine Aktivistin.
Das ist meine Leidenschaft -
das war sie immer.
WELT.de: Welche Rolle ist wichtiger -
Unternehmerin oder Aktivistin?
Roddick: Aktivistin. Du musst
die Leute wachrütteln, erziehen,
Geschichten erzählen.
Die Kampagnen waren immer
die DNA der Body Shops.
WELT.de: Sie haben Body Shop
gegründet, um Kampagnen zu führen?
Roddick: Nein, um zu überleben,
als mein Mann nicht da war.
Aber nach ein paar Jahren
merkte ich, dass man in
Business Schools und in
der Wirtschaftspresse keine
moralischen Vordenker findet.
Die entdeckte ich bei
Amnesty International oder Greenpeace.
Deshalb begann ich, sie zu unterstützen.
WELT.de: Sie haben als eine der Ersten
nicht nur Ware, sondern auch ein
gutes Gewissen verkauft.
Jetzt macht das jeder.
Roddick: Das ist Scheckbuchwohltätigkeit.
WELT.de: Wo liegt der Unterschied?
Roddick: Das Interesse für Projekte,
bei denen keine hübschen Fotos
mit lächelnden Kindern rausspringen,
ist meist gering. Mir geht
es darum, alle Prozesse in
einem Unternehmen gerechter
zu machen, etwa den Handel:
Wir kaufen unsere Rohstoffe bei
afrikanischen Kleinbauern
oder Kooperativen. Wir zahlen
zehn Prozent mehr - für den
Bau von Wasseraufbereitungsanlagen,
Schulen oder Krankenhäusern.
Und die Body Shops waren mehr
als nur Geschäfte.
WELT.de: Wie bitte?
Roddick: Wir haben daraus "action stations"
gemacht. Sie funktionierten
wie ein Brunnen in einem
afrikanischen Dorf:
Menschen kamen zusammen,
redeten, traten irgendwo bei.
Und es lief! Aber es war
nicht immer einfach.
WELT.de: Für den Verkauf
Ihrer Body-Shop-Anteile
an L'Oréal haben Sie
190 Millionen Euro bekommen.
Roddick: Das war nicht mein Ziel.
Sie glauben das, weil Berühmtheit
nur noch mit Geld zu tun hat.
WELT.de: Was machen sie mit
den 190 Millionen?
Roddick: Ungefähr 44 Millionen
sind bereits in unsere Stiftung
eingeflossen. Wir spenden mehr
als vier Millionen pro Jahr. Wir
haben ein Zentrum für
HIV-positive Kinder gebaut,
das englische und
das irische Hauptquartier
von Amnesty, und wir arbeiten
viel mit Greenpeace gegen
den Klimawandel und Trident -
ein nukleares Raketensystem.
Die ersten
2000 Body-Shop-Mitarbeiter,
und das waren auch Radikale,
wären am Boden zerstört, wenn
ich mich mit meinem Mann
Gordon nur noch in Privatjets
oder auf schicken Booten
rumtreiben würde. Die hat
es nicht erstaunt, dass ich
alles spenden will.
WELT.de: Was werden Ihre
zwei Töchter erben?
Roddick: Nichts. Ich glaube,
es ist obszön, reich zu sterben,
und unmoralisch, nicht zu helfen.
Reiche Leute haben eine Verantwortung.
Aber leider sind die Engländer keine
großen Philanthropen,
die Amerikaner schon eher ...
WELT.de: Und die Deutschen?
Roddick: Die verlassen sich
zu sehr auf den Staat.
WELT.de: Sie haben nach dem
Verkauf an L'Oréal gesagt, dass
Sie dadurch bei dem Konzern
etwas verändern könnten.
Was ist passiert?
Roddick: L'Oréal ist begeistert
von unseren
"Hilfe durch Handel"-Projekten.
Ich denke, ab Juni nächsten
Jahres werden sie ihre
eigenen Programme starten.
WELT.de: Und was hat sich bei
Body Shop verändert?
Roddick: Ich habe keine Veränderungen
gesehen. Ich hoffe nur,
dass es eine
Kommunikationsexplosion
geben wird - für die Mitarbeiter.
Große Unternehmen sind
nicht sehr gut darin, mit
ihren Mitarbeitern zu reden.
Bei Body Shop gab es jede
Woche ein Video für jedes
Geschäft auf der ganzen
Welt, in dem wir von unseren
Ideen, Kampagnen und Erfolgen
erzählten.
WELT.de: Sie sind mit der Aussage
berühmt geworden, dass
Faltencremes nicht funktionieren ...
Roddick: Tun sie ja auch nicht.
WELT.de: ... trotzdem versprechen
auch Body-Shop-Produkte
mittlerweile glattere Haut.
Roddick: Man kann Falten mit Creme
auffüllen oder dafür sorgen,
dass sich Licht anders reflektiert,
aber keine Creme der Welt kann
die Schwerkraft aushebeln.
Faltencremes sind Gottes Art,
herauszufinden, wer wirklich
dumm ist. Und wer will schon
ein Gesicht, aus dem die Spuren
der Erfahrungen gelöscht wurden?
WELT.de: Warum kaufen Frauen
sie trotzdem?
Roddick: 90 Prozent der
Werbung richten sich an Frauen.
Und fast immer sagt sie:
Du bist scheiße! Immer und
immer wieder. Und wenn du
eine Botschaft oft genug
wiederholst, wird sie für viele
zur Wahrheit. Männer
haben es leicht. Denen
sagt nie jemand, dass ihr
Fleisch widerlich ist.
WELT.de: Eine Ihrer Töchter
feiert mit geschmackvollen
Sex-Shops für Frauen
namens "Coco de Mer"
große Erfolge. Hat sie es leichter
gehabt als Sie?
Roddick: Natürlich, was denken Sie?
Ich war ein Einwandererkind.
Aus Italien. Das war der Feind im Krieg.
WELT.de: Sie meinen, sie war
keine Außenseiterin?
Roddick: Doch, aber aus
anderen Gründen.
Sie war Legasthenikerin
und immer ein Rebell.
Aber ich kann mir sowieso
nicht vorstellen, "normale" Töchter
zu haben.
WELT.de: Eines Ihrer Mantras
lautet: Einkaufen ist
ein politischer Akt. Was
schenken Sie denn zu Weihnachten?
Roddick: Kühe, Ziegen und
diese dummen Schafe.
WELT.de: Die stehen dann bei Ihnen
unterm Weihnachtsbaum?
Roddick: Nein, wir haben
ein Fair-Trade-Projekt in
Nicaragua und kaufen den
Bauern jedes Jahr mehr Vieh.
WELT.de: Beschweren sich
Ihre Enkel nicht?
Roddick: Ich schenke ihnen
ja ein Foto von den Kühen.
WELT.de: Und was wünschen Sie sich?
Roddick: Längere Beine.

...Sie wollte nich mehr.
Ihre Mutter,mit 92 Jahren,wieder da.
Sie sagte,Anita möge doch bitte
ein riesiges Feuerwerk aus ihrer Asche starten,
wenn sie tot sei...

5.1.07 16:12
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de