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Interview mit Debbie Harry
"Kurze Röcke stehen mir noch gut"

Die Sängerin hat sich neu erfunden.
Statt auf Blondie-Punk
setzt sie auf Elektromusik.
Statt Drogen gibt es Wasser.
Ein Gespräch über Warhol,
Mode und den Niedergang New Yorks.
Stilikone: Debbie Harry, 61, weiß,
wie man in Würde altert

Deborah Harry, 61, darf sich
alles herausnehmen - auch
ein Interview kurzfristig abzusagen.
Die Sängerin der Band Blondie
prägte in den ausgehenden
70er-Jahren eine neue
Frauen-Generation: forsch und sexy.
Sie verkörperte das Pin-up-Girl
der New Yorker Punk-Szene
und später der aufstrebenden
New-Wave-Ära.
Mit Disco-Hits wie "Call Me" und
"Heart of Glass" eroberte sie die
Charts. Andy Warhol war mit ihr
befreundet, Madonna kopierte
ihren Look, und der
Elektronik-Popper Moby
bat die charismatische Sängerin
kürzlich ins Studio, um mit
ihr das Lied "New York, New York"
aufzunehmen.

Zu unserem Termin schleicht
Debbie Harry gegen 10 Uhr
morgens ins Büro ihres
Managements, es ist der
zweite Versuch eines Gesprächs.
Sie wirkt gelöst,
aber nicht sonderlich interessiert.
Ihre Stimme piepst.
Nur wenn sie lacht,
klingt sie rau - so als scheppere
ein ganzes Kneipenmobiliar mit.


WELT.de: Miss Harry, mit Ihrem
neuen Lied singen Sie eine
Hymne auf New York. In welchem
Stadtteil leben Sie eigentlich?
Debbie Harry: Ich habe mir 1987
eine Wohnung in Chelsea
gekauft - im westlichen Manhattan.
WELT.de: Ist das Ihr ganz
persönliches, verrücktes New York?
Harry: Hören Sie auf, es geht
um ein Lebensgefühl. Dass man
in New York abtauchen, sich gehen
lassen und versacken kann.
Nachtleben ist verbunden
mit der Idee, high zu werden -
und da gibt es eine Menge
Möglichkeiten.
Früher habe ich Drogen genommen,
aber das ist glücklicherweise
vorbei. Zu viele Freunde sind an
Drogen gestorben.
WELT.de: Madonna singt auf ihrem
letzten Album ziemlich frei
übersetzt:
"New York ist nichts für kleine Mädchen,
die heulen."
Harry: Richtig. New York ist
nichts für willensschwache Menschen.
WELT.de: Die typische New Yorkerin
ist hingegen wie?
Harry: Erst einmal eine Frau,
die sich für das Stadtleben
begeistert. Ein offener Mensch,
der Karriere machen,
mehr erleben will und
gut auf sich aufpassen kann.
WELT.de: Sie stammen aus
New Jersey, waren Sie immer
stark genug für New York?
Harry: Jeder hat seine
schwachen Momente.
Für mich war der Moment
gekommen, als meine erste
Band sich auflöste, das
war in den späten 60er-Jahren.
Ich war fast pleite und hatte
keine Ahnung, wie ich die
nächste Woche über die Runde
kommen soll. Da will man
schon das Handtuch schmeißen.
WELT.de: Und warum haben
Sie es damals nicht getan?
Harry: Weil ich noch jung war -
und nicht wollte, dass meine
Eltern recht haben. Sie
hätten mich lieber in
New Jersey gesehen,
mit einem netten Ehemann
und sicherer Zukunft.
Ich wollte mich durchsetzen,
interessante Menschen treffen
und mit ihnen etwas aufbauen.
WELT.de: Sie zogen 1965 nach
New York, wen wollten Sie dort treffen?
Harry: Künstler. Ich habe mich
damals für Kunst interessiert.
Es gab überall Happenings,
spontane Aktionen in Galerien,
die Stadt lebte. Andy Warhol
und seine Clique waren echt
durchgeknallte Freaks. Es
herrschte eine große Bandbreite,
aber der Kreis der Künstler
war eher klein. Man lernte sich
dadurch schneller kennen.
WELT.de: Sie haben als Kellnerin im
"Max's Kansas City" gearbeitet -
Andy Warhols Lieblingsclub.
Um ihn dort kennenzulernen?
Harry: Als ich mich dort beworben
habe, war ich ein wenig naiv.
Vorher hatte ich kleine Jobs
als Kellnerin und auch mal
als Kosmetikerin. Ein Freund
gab mir dann den Tipp,
dass im "Max's Kansas City"
Kellnerinnen gebraucht werden.
Er sagte mir aber nur, dass es
ein ziemlich beliebter Laden sei.
WELT.de: Sie waren vorher nie dort?
Harry: Das konnte ich mir
nicht leisten. Sie können sich
vorstellen, wie erstaunt ich war,
als ich anfing dort zu arbeiten -
und plötzlich Andy Warhol
mit seiner Entourage durch
die Tür kam.
WELT.de: Dann haben
Sie sich ihm erst einmal vorgestellt?
Harry: Er war damals schon ein Star.
Das hätte ich nie gewagt.
Wir haben uns zwar gesehen,
aber ich glaube kaum, dass wir
offiziell miteinander bekannt
gemacht wurden. Wenn ich
überhaupt in seiner Welt
existierte, dann als Fleck
auf seiner Tapete. Erst Mitte
der 70er-Jahre, als Blondie
erste Auftritte hatte, lernten
wir uns richtig kennen.
WELT.de: Was haben Sie von ihm gelernt?
Harry: Dass man Kunst und
Kommerz verbinden kann, ohne
sich aufzugeben. Andy war ein
scharfer Beobachter. Er analysierte
Trends genau - und machte
etwas ganz Neues daraus.
Er war auch ein guter Zuhörer.
Wenn man sich mit ihm unterhielt,
hatte man immer das Gefühl,
dass er genauso viel gab,
wie er nahm. Ich erinnere mich,
dass wir abends oft essen gingen,
um uns herum sechs oder
sieben Menschen, manche
davon berühmt, manche nicht,
und Andy wollte von jedem
hören, was er zu sagen hatte.
Er wollte teilhaben an ihrem
Leben. Er gab einem das Gefühl,
dass man plötzlich im Zentrum
der Aufmerksamkeit stand.
WELT.de: Lebt diese vergangene
Zeit heute für Sie in New York weiter?
Harry: Nein. New York ist
nicht mehr aufregend, es ist
sehr Middleclass geworden.
Die Menschen sehen die Stadt nur
noch als Immobilieninvestition,
überhaupt nicht mehr als
kulturelles Herzstück.
Außerdem wirkt New York nicht
mehr so robust, wie es einst war.
WELT.de: Im September hat auch
noch das "CBGB's" geschlossen -
der Club, in dem Sie und
Musiker wie Patti Smith oder
die Ramones berühmt wurden.
Harry: Das tut weh. Mein Ort der Liebe!
Als wir dort anfingen zu spielen,
war ich bis über beide Ohren in
Chris verknallt, den Gitarristen
von Blondie.
Ich wurde die verrückte junge
Debbie, die nicht mehr verzweifelt
jeden Job annehmen, nicht mehr
jeden Cent umdrehen musste,
sondern feiern konnte. Das kam
in dieser Zeit alles zusammen.
WELT.de: Jeder Mann im Publikum
wollte mit Ihnen ausgehen.
War das nicht schwierig für
Ihren Partner?
Harry: Ja, er fühlte sich
verantwortlich. Er wollte
mich beschützen. Als Blondie
berühmt wurde, ging das nicht
mehr. Deshalb engagierten wir
einen Bodyguard. Er war ein
ehemaliger Fallschirmjäger,
so ein richtiger Daddy-Typ.
Wenn die Leute uns verfolgten,
sagte er immer: Geht schön
nach oben aufs Zimmer, ich
kümmere mich darum.
WELT.de: Sie trugen früher
gern Minirock zu hohen Stiefeln,
die Mädchen von heute auch,
gefällt Ihnen das?
Harry: Manchmal kann ich
darüber nur lachen.
WELT.de: Wann zum Beispiel?
Harry: Wenn Menschen ohne
Geschmack sich solche
Outfits einfach über den
Körper werfen. Vor zehn Jahren
hätte dieselbe Person
die Kleidung angesehen und
gedacht: Mein Gott, wie
furchtbar - in so etwas will ich
nie gesehen werden! Jetzt
feiern die Leggings ein
Comeback, und sofort kauft
sich diese Person eine.
Ich beobachte die Zyklen
sehr genau. Mode interessiert mich.
Wenn ich dabei etwas gelernt
habe, dann das: Nicht jede
Mode sieht bei jedem gut aus.
WELT.de: Was sieht bei Ihnen
nicht gut aus?
Harry: Kurze Röcke stehen
mir noch gut. Lange
Kleider passen dagegen
überhaupt nicht zu mir.
Oder diese tief sitzenden
Jeans, wie sie die Hip-Hop-Generation
trägt. Andererseits hasse
ich auch Hosen, die ganz hoch
über den Hüften sitzen.
Das korrespondiert einfach
nicht mit meinem Körperbau.
Da fühle ich mich immer
sehr unwohl.
WELT.de: Wie hat sich die
Frauenmode im Vergleich
zu den 70er-Jahren geändert?
Harry: Sie gibt Frauen
mehr Raum.
Junge Frauen quälen
sich nicht mehr mit unseren
Problemen von damals
herum - ob man bestimmte
Körperteile wie die
Schulter jetzt bedecken
muss oder nicht. Ob
man die Unterwäsche
bei einem Minirock sehen
darf oder nicht. Für die
Frauen heute ist es klar,
dass sie sich anziehen,
um die Blicke der Menschen
auf sich zu ziehen.
Ihr Verhältnis zum
eigenen Körper ist von
mehr Freiheit geprägt.
WELT.de: Welchen Schönheitstipp
geben Sie jungen Frauen auf den
Weg?
Harry: Wasser, Wasser
und nochmals Wasser.
Das habe ich in harten
Jahren des Tourens gelernt.
WELT.de: Ein Tipp Ihres
engen Freundes Marc Jacobs?
Harry: Er ist ein großartiger
Designer. Aber nein, solche
Tipps brauchte ich bisher
noch nicht von ihm. Er hat
einige Male angeboten,
mich für bestimmte Anlässe
einzukleiden - und ich
habe seine Großzügigkeit
dankend angenommen.
WELT.de: Was macht seine
Kollektionen aus?
Harry: Sie sprechen für seine
Einfühlsamkeit. Er ist kein
Kreativer, der nur eine Kollektion
herausbringt - und sich
dann immer wieder selbst
kopiert. Wie ein richtiger
Künstler hat er Perioden.
Seine Einflüsse reichen
über verschiedene Jahrzehnte,
und er erfindet sich immer
wieder neu. Er schafft es
zum Beispiel, aus historischen
Ideen neue Impulse zu ziehen,
etwas Frisches für heute
herauszukristallisieren.
WELT.de: Ihr Lieblings-Outfit
von ihm?
Harry: Die kleinen
Seidenkleider. Wunderschön.
Oder die übereinander
angezogenen Sweaters
aus der neuen Kollektion.
Und die Schuhe! Die Taschen!
Ich kann gar nicht aufhören.
WELT.de: Wenn Sie sich
anziehen, gehen Eitelkeit
und Stil Hand in Hand?
Harry: Ich hoffe doch sehr.
Auch in meinem Alter will
ich gut aussehen. 

une grande dame d'un temps avant...

5.1.07 16:29


Interview mit der Bodyshop-Gründerin
"Es ist obszön, reich zu sterben"

Body-Shop-Gründerin Anita Roddick
hat ihre Firma verkauft und will
mit dem Geld nur Gutes tun.
Zu Weihnachten verschenkt sie
Kühe und Schafe. Und wünscht
sich selbst andere Beine.
Immer noch auf Mission:
Anita Roddick, 64 

Die vergangenen acht Monate
sind Anita Roddick nicht
anzumerken. Dabei soll sie
die Engländerin im Bett des
Feindes verbracht haben.
So sehen das manche, seit
die Body-Shop-Gründerin und
engagierte Tierversuchsgegnerin
im März ihre Anteile an der
Naturcremekette an den
weltgrößten Kosmetikkonzern
L'Oréal verkauft hat.
Viele von ihnen hatten
Roddick als "Queen of Green"
verehrt, bevor sie zum Boykott
der Body Shops aufriefen,
weil L'Oréal immer noch
Inhaltsstoffe an Tieren teste.
Andere, darunter
Greenpeace-Campaign-Direktor
John Sauven, nahmen sie
öffentlich in Schutz.
Roddick selbst verwies immer
darauf, dass man Aktien nicht
spenden könne und sie den
Deal als Chance betrachte,
den Konzern zu verändern.
Bereut habe sie nur eines -
den Börsengang von 1984,
durch den sie ihre Firma den
"Dinosauriern in Nadelstreifen"
ausgeliefert habe. Als Beraterin
für Body Shop reist Roddick
immer noch um die halbe Welt.

WELT.de: Hallo, Frau Roddick,
woher kommen Sie gerade?
Anita Roddick:
Ich war zwei Tage
in Delhi, um Body Shop dort
einzuführen. Aber ich habe
nichts von der Stadt gesehen,
nur Journalisten. Es war wie
Teenagersex: rein, raus, rein, raus,rein, raus.
WELT.de Haben Sie eigentlich noch
ein Zuhause?
Roddick: Ja, in Sussex, an der
Costa Geriatrica. Mein Mann baut
sogar Wein an.
WELT.de: Arbeiten Sie gemeinsam?
Roddick: (lacht) Ja. Wir leben sogar
noch zusammen! Wir arbeiten
an unserer Stiftung und suchen
nach Dingen, die wir unterstützen
können: Projekte gegen Klimawandel,
häusliche Gewalt oder für s
oziale Gerechtigkeit.
WELT.de: Mittlerweile animieren
Sie auch andere Frauen zur
Arbeit von zu Hause: Sie sollen
in ihren Wohnzimmern
Body-Shop-Produkte an
Bekannte verkaufen.
Roddick: Ja, das Big Business
schafft keine Jobs mehr,
nur Reichtum für einige wenige.
Alles passiert heute elektronisch
oder am anderen, billigeren
Ende der Welt.
The Body Shop at Home
ermöglicht Frauen, unter dem
Schutz einer respektierten
Marke Unternehmerin
zu werden - auch solchen,
die wenig Selbstwertgefühl haben,
weil sie seit Jahren keine Arbeit
mehr haben. Mir ist das Projekt
auch wichtig, weil es mich an
meine Body-Shop-Anfänge erinnert.
WELT.de: Woran denken Sie da?
Roddick: Wenn ich im Geschäft
nicht gut genug verdient hatte,
packte ich meine Produkte
in eine große Tüte und klopfte
an Türen. Ich ging raus zu den
Kunden und zog sie rein.
WELT.de: Apropos Anfänge.
Der Legende nach haben Sie
Body Shop nur gegründet,
weil Ihr Mann 1976 nach
Südamerika aufbrach, um
von Buenos Aires nach New York
zu reiten, und Sie mit zwei
kleinen Kindern allein und
ohne Geld zurückließ. Heißt das,
Ihr Geschäft hätte es ohne
die Abenteuerlust Ihres Mannes
nie gegeben?
Roddick: Vielleicht. Andererseits
hatten wir davor ein Restaurant,
und ich brannte darauf, etwas
anderes zu machen, denn
es gibt keinen härteren Job,
als zu arbeiten, wenn andere
freihaben. Aber wer weiß,
vielleicht wäre alles ganz
anders gelaufen ...
WELT.de: ... und Sie hätten die
letzten 40 Jahre als Hausfrau
verbracht?
Roddick: Hausfrau? Niemals!
Ich bin eine Aktivistin.
Das ist meine Leidenschaft -
das war sie immer.
WELT.de: Welche Rolle ist wichtiger -
Unternehmerin oder Aktivistin?
Roddick: Aktivistin. Du musst
die Leute wachrütteln, erziehen,
Geschichten erzählen.
Die Kampagnen waren immer
die DNA der Body Shops.
WELT.de: Sie haben Body Shop
gegründet, um Kampagnen zu führen?
Roddick: Nein, um zu überleben,
als mein Mann nicht da war.
Aber nach ein paar Jahren
merkte ich, dass man in
Business Schools und in
der Wirtschaftspresse keine
moralischen Vordenker findet.
Die entdeckte ich bei
Amnesty International oder Greenpeace.
Deshalb begann ich, sie zu unterstützen.
WELT.de: Sie haben als eine der Ersten
nicht nur Ware, sondern auch ein
gutes Gewissen verkauft.
Jetzt macht das jeder.
Roddick: Das ist Scheckbuchwohltätigkeit.
WELT.de: Wo liegt der Unterschied?
Roddick: Das Interesse für Projekte,
bei denen keine hübschen Fotos
mit lächelnden Kindern rausspringen,
ist meist gering. Mir geht
es darum, alle Prozesse in
einem Unternehmen gerechter
zu machen, etwa den Handel:
Wir kaufen unsere Rohstoffe bei
afrikanischen Kleinbauern
oder Kooperativen. Wir zahlen
zehn Prozent mehr - für den
Bau von Wasseraufbereitungsanlagen,
Schulen oder Krankenhäusern.
Und die Body Shops waren mehr
als nur Geschäfte.
WELT.de: Wie bitte?
Roddick: Wir haben daraus "action stations"
gemacht. Sie funktionierten
wie ein Brunnen in einem
afrikanischen Dorf:
Menschen kamen zusammen,
redeten, traten irgendwo bei.
Und es lief! Aber es war
nicht immer einfach.
WELT.de: Für den Verkauf
Ihrer Body-Shop-Anteile
an L'Oréal haben Sie
190 Millionen Euro bekommen.
Roddick: Das war nicht mein Ziel.
Sie glauben das, weil Berühmtheit
nur noch mit Geld zu tun hat.
WELT.de: Was machen sie mit
den 190 Millionen?
Roddick: Ungefähr 44 Millionen
sind bereits in unsere Stiftung
eingeflossen. Wir spenden mehr
als vier Millionen pro Jahr. Wir
haben ein Zentrum für
HIV-positive Kinder gebaut,
das englische und
das irische Hauptquartier
von Amnesty, und wir arbeiten
viel mit Greenpeace gegen
den Klimawandel und Trident -
ein nukleares Raketensystem.
Die ersten
2000 Body-Shop-Mitarbeiter,
und das waren auch Radikale,
wären am Boden zerstört, wenn
ich mich mit meinem Mann
Gordon nur noch in Privatjets
oder auf schicken Booten
rumtreiben würde. Die hat
es nicht erstaunt, dass ich
alles spenden will.
WELT.de: Was werden Ihre
zwei Töchter erben?
Roddick: Nichts. Ich glaube,
es ist obszön, reich zu sterben,
und unmoralisch, nicht zu helfen.
Reiche Leute haben eine Verantwortung.
Aber leider sind die Engländer keine
großen Philanthropen,
die Amerikaner schon eher ...
WELT.de: Und die Deutschen?
Roddick: Die verlassen sich
zu sehr auf den Staat.
WELT.de: Sie haben nach dem
Verkauf an L'Oréal gesagt, dass
Sie dadurch bei dem Konzern
etwas verändern könnten.
Was ist passiert?
Roddick: L'Oréal ist begeistert
von unseren
"Hilfe durch Handel"-Projekten.
Ich denke, ab Juni nächsten
Jahres werden sie ihre
eigenen Programme starten.
WELT.de: Und was hat sich bei
Body Shop verändert?
Roddick: Ich habe keine Veränderungen
gesehen. Ich hoffe nur,
dass es eine
Kommunikationsexplosion
geben wird - für die Mitarbeiter.
Große Unternehmen sind
nicht sehr gut darin, mit
ihren Mitarbeitern zu reden.
Bei Body Shop gab es jede
Woche ein Video für jedes
Geschäft auf der ganzen
Welt, in dem wir von unseren
Ideen, Kampagnen und Erfolgen
erzählten.
WELT.de: Sie sind mit der Aussage
berühmt geworden, dass
Faltencremes nicht funktionieren ...
Roddick: Tun sie ja auch nicht.
WELT.de: ... trotzdem versprechen
auch Body-Shop-Produkte
mittlerweile glattere Haut.
Roddick: Man kann Falten mit Creme
auffüllen oder dafür sorgen,
dass sich Licht anders reflektiert,
aber keine Creme der Welt kann
die Schwerkraft aushebeln.
Faltencremes sind Gottes Art,
herauszufinden, wer wirklich
dumm ist. Und wer will schon
ein Gesicht, aus dem die Spuren
der Erfahrungen gelöscht wurden?
WELT.de: Warum kaufen Frauen
sie trotzdem?
Roddick: 90 Prozent der
Werbung richten sich an Frauen.
Und fast immer sagt sie:
Du bist scheiße! Immer und
immer wieder. Und wenn du
eine Botschaft oft genug
wiederholst, wird sie für viele
zur Wahrheit. Männer
haben es leicht. Denen
sagt nie jemand, dass ihr
Fleisch widerlich ist.
WELT.de: Eine Ihrer Töchter
feiert mit geschmackvollen
Sex-Shops für Frauen
namens "Coco de Mer"
große Erfolge. Hat sie es leichter
gehabt als Sie?
Roddick: Natürlich, was denken Sie?
Ich war ein Einwandererkind.
Aus Italien. Das war der Feind im Krieg.
WELT.de: Sie meinen, sie war
keine Außenseiterin?
Roddick: Doch, aber aus
anderen Gründen.
Sie war Legasthenikerin
und immer ein Rebell.
Aber ich kann mir sowieso
nicht vorstellen, "normale" Töchter
zu haben.
WELT.de: Eines Ihrer Mantras
lautet: Einkaufen ist
ein politischer Akt. Was
schenken Sie denn zu Weihnachten?
Roddick: Kühe, Ziegen und
diese dummen Schafe.
WELT.de: Die stehen dann bei Ihnen
unterm Weihnachtsbaum?
Roddick: Nein, wir haben
ein Fair-Trade-Projekt in
Nicaragua und kaufen den
Bauern jedes Jahr mehr Vieh.
WELT.de: Beschweren sich
Ihre Enkel nicht?
Roddick: Ich schenke ihnen
ja ein Foto von den Kühen.
WELT.de: Und was wünschen Sie sich?
Roddick: Längere Beine.

...Sie wollte nich mehr.
Ihre Mutter,mit 92 Jahren,wieder da.
Sie sagte,Anita möge doch bitte
ein riesiges Feuerwerk aus ihrer Asche starten,
wenn sie tot sei...

5.1.07 16:12


"Schreiben besteht aus fünf Prozent Inspiration
und 95 Prozent Transpiration."

by George Bernard Shaw 

5.1.07 15:37


Interview mit Michael Caine
"Ich hatte Tickets für den frühen Tod"

Der Schauspieler Michael Caine
ist in der späten Schaffensphase
seiner einzigartigen Karriere
angekommen. Ein Gespräch über
die Coolness der frühen Jahre, die
Vorzüge des Wodkas und
seine ganz persönliche Heilige.
Die Magie einer Ikone: Caine
als Zaubertrickerfinder in
"The Prestige"

Hotel "Le Bristol", Paris.
Michael Caine sitzt auf einem
antiken Sofa und betrachtet
die eleganten Damen, die über
die Rue du Faubourg Saint-Honoré
flanieren. Mit seiner Frau Shakira
hat er den Vormittag in der
Orangerie verbracht, "um die
gigantischen Monets zu sehen".
Ansonsten ist sein Programm eher
bodenständig. Statt Sterneküche
genoss er sein
"französisches Lieblingsgericht":
Baguette mit Käse, Schinken
und einer Tasse Kaffee.

WELT.de: In Ihrem neuen Film
spielen Sie wieder einen
väterlichen Mentor. Wer war
Ihr Mentor auf dem Weg zum Erfolg?
Michael Caine: Ohne Shirley McLaine
hätte ich es in Hollywood nie
geschafft. Sie hat mich damals
beraten und sogar eine Party für
mich organisiert. Ich verdanke ihr
sehr viel. Und John Wayne war
ein guter Freund und Mentor.
Ich habe ihn damals als Fan
in einer Hotellobby so lange
angestarrt, bis er mich ansprach.
Und er hatte tatsächlich "Alfie"
gesehen! Daraus hat sich dann
eine richtige Freundschaft entwickelt.
WELT.de: Eine Zeit war es ruhig
um Sie, jetzt sind Sie wieder
im Geschäft. Wem wollen Sie
noch etwas beweisen?
Caine: Mir selbst? Es macht
mir immer noch großen Spaß.
Und es ist eigentlich der
schönste Teil meiner Karriere.
Früher habe ich für Geld beinahe
jeden Film angenommen. Heute
darf ich die schönen Rollen spielen,
ich nenne es den seriösen
Teil meiner Karriere ...
WELT.de: Lassen Sie uns über
Ihren Status als britische
Ikone sprechen.
Caine: (schmunzelt) Stimmt, ich
bin ja eine Filmikone. Die Leute
schreiben es jedenfalls ständig.
Ich fange beinahe schon an,
es selbst zu glauben. Aber ich
kann Ihnen versichern: Dieser
Status nützt mir gar nichts.
Kürzlich sagte ich wieder zu
meiner Frau: Ich bin eine Ikone,
ist das nicht großartig? Darauf
antwortete sie: Fein, du Ikone,
aber jetzt bring bitte den Müll raus.
WELT.de: Sie gelten auch als Stilikone.
Besonders die britische Modeszene
verehrt Sie bis heute ehrfürchtig.
Warum?
Caine: Ich sehe es vor allem als ein
soziales Phänomen. Meine Wurzeln
liegen in der britischen
Arbeiterklasse, und ich habe
nie versucht, meine Herkunft zu
kaschieren. Und ich habe nie
eine Schauspielschule besucht,
war also nie einer von diesen
schicken klassischen
Bühnenschauspielern, die
irgendwann nur noch Shakespeare
rezitieren. Und dann denken Sie
mal daran, was junge Kerle
im Kino sehen wollen. In "Alfie"
habe ich sämtliche Frauen verführt.
In "The Italian Job" gewinnen
wir im Fußball. Und in "Get Carter"
war ich ein Kerl - so hart, das
s sich niemand mit ihm anlegen
will. Ich habe also das gesamte
Potenzial an Träumen junger
Männer abgedeckt. So wird man
wohl zur Ikone.
WELT.de:Aber es waren ja nicht
nur die Filme. Auch Ihre Outfits
wurden stilprägend. Es gab da
diese Ausstellung des Fotografen
David Baily.
Caine: Das Poster
zu der Ausstellung besitze ich
noch. Darauf trage ich eine Brille
und eine brennende Zigarette
im Mundwinkel. Ich sehe einfach
so in die Kamera. Der Titel der
Ausstellung war
"The Start of the Cool". Ich
war immer bekannt dafür,
besonders cool zu sein, und es
ist wohl wahnsinnig uncool, so
etwas zu sagen. Aber ich wollte
ja Ihre Frage beantworten.
WELT.de: Und was ist für Sie cool?
Caine: Wenn man nie versucht,
unnötig die Aufmerksamkeit
auf sich zu lenken. Das gilt auch
für die Outfits. Man sollte sich
speziell kleiden, aber nicht zu
schrill, denn dann wird es schnell
peinlich. Sie verstehen, was
ich meine?
WELT.de:
Sogar Ihre Brille wurde
zu einem Markenzeichen.
Dabei gelten Brillen ja meist
als absolute Karrierekiller.
Caine: Das war ein harter Kampf.
Besonders als ich nach Hollywood
kam. Einer dieser Filmmogule
sagte: Er kann unmöglich eine
Brille tragen, sonst denken die
Leute, er sei schwul. Ich kannte
damals keine Homosexuellen,
aber eine Menge Leute, die
Brillen trugen. Brille schien
mir also kein Synonym für schwul
zu sein. Damals trugen ja
Schauspieler wie Cary Grant
oder Rock Hudson nur Brille,
wenn sie laut Drehbuch eine
Frau täuschen sollten, indem
sie auf schüchtern oder Idiot
machten. Dann nahmen sie
die Brille ab und waren plötzlich
diese blendend aussehenden Kerle.
WELT.de: Als junger Schauspieler
hatten Sie oft Probleme,
Ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.
Was haben Sie sich von Ihrer
ersten Gage geleistet?
Caine: Ich hatte eine Obsession
für Hygiene. Weil ich so lange
kein Geld hatte, ging es bei immer
darum, ob ich noch ein sauberes
Hemd hatte. Ich war ständig
in Sorge, dass mir Shampoo
und Seife ausgehen würden.
Erst später erkannte ich, dass
ich eine Art Waschzwang hatte.
Von meinen ersten dicken
Schecks kaufte ich mir also
exklusive Shampoos, Aftershaves,
die teuerste Haarbürste, die ich
finden konnte, und Unmengen Socken.
WELT.de: Was war der wichtigste
Moment Ihrer Karriere?
Caine:
Meine Frau kennenzulernen.
Sie hat mir das Leben gerettet.
Das war sogar der wichtigste
Moment meines Lebens. Ohne
sie würde ich heute vielleicht
gar nicht mehr hier sitzen.
Damals habe ich sehr viel
getrunken und dazu wie ein
Schlot geraucht. Ich hatte Tickets
für einen frühen Tod.
WELT.de: Warum haben Sie getrunken?
Caine: Ich brauchte den Alkohol
als Downer. Wenn man hoch fliegt,
glaubt man, dass er einen wieder
runterbringt. Und ich habe getrunken,
um mit dem Stress fertig zu
werden, der Mittelpunkt des
öffentlichen Interesses zu sein.
WELT.de:Wie viel Alkohol haben
Sie in Ihren schlimmsten
Zeiten vernichtet?
 Caine: Zwei, manchmal auch
drei Flaschen Wodka pro Tag.
Der trinkt sich einfach sehr gut,
außerdem mögen Alkoholiker
Wodka, weil er keine Fahne
macht. Ich war ständig betrunken
und dachte, ich würde mich
prächtig amüsieren. Schuld
war der Druck, für den Erfolg
eines Filmes verantwortlich
zu ein: Einige Kollegen meditieren,
ich mochte Wodka.
WELT.de: Sie wurden in den
Londoner "Swinging Sixties"
berühmt. Welche Drogen
nahmen Sie zum Wodka?
Caine: Drogen waren nie
meine Sache. Die Schauspieler
meiner Generation tranken,
das waren unsere Exzesse, und
einige starben daran. Erst die
Generation nach mir war auf
Drogen, und die haben die
60er-Jahre letztlich getötet.
Um zu trinken, geht man in
einen Club, Drogen sind illegal,
also verschanzten sich alle
zu Hause, nahmen Drogen
und wurden paranoid.
WELT.de: Und dank Ihrer Frau
brauchten
Sie keinen Alkohol mehr?
Caine: Ich habe nie wieder einen
Menschen wie sie getroffen.
Wir sind jetzt seit 34 Jahren
verheiratet, und es gibt nichts
Negatives, das man über sie
sagen könnte. Und so geht
es nicht nur mir, sondern jedem,
der sie kennt. Sie ist eine Heilige!
Ich bin da ganz anders. Dazu
kommt, dass sie nebenbei
auch noch ganz außergewöhnlich
schön ist. Ich komme jeden
Tag zu einer der schönsten Frauen
nach Hause. Und das ist eine
gute Basis für eine lange
glückliche Ehe.
WELT.de: Das hört sich an, als
seien Sie immer noch verliebt.
Caine: Wir sind immer noch
ein romantisches Liebespaar.
Und wir sind die allerbesten
Freunde. Ich kann gute
Geschichten erzählen, und
sie ist extrem attraktiv.
So eine Kombination hält
für immer!
WELT.de: Wo haben Sie diese
wunderbare Frau gefunden?
Caine: Ob Sie es glauben
oder nicht: im Fernsehen.
WELT.de: Im Fernsehen?
Caine: Ich war damals bereits
ein Star und hatte viel Geld.
Nachdem ich eine ganze Woche
in Clubs und Diskotheken
durchgefeiert hatte, machte
ich mir mit einem Freund
einen gemütlichen Abend
zu Hause, weil ich völlig
erledigt war. Ich habe
gekocht. Wir aßen, sahen
dazu fern. Und dann kam
dieser Werbespot für
brasilianischen Kaffee! Da
tanzte ein wunderhübsches
Mädchen mit Rasseln in
den Händen. Ich war wie
vom Donner gerührt und
über beide Ohren verliebt.
Ich musste diese Frau
kennenlernen.
WELT.de: Was für Sie kein
Problem gewesen sein dürfte.
Caine: Das sagen Sie! Ich war
fest davon überzeugt, sie
ist Brasilianerin, und ich
wollte wirklich gleich am
nächsten Tag nach Brasilien
fliegen, um sie zu suchen.
Wie sich dann herausstellte,
hieß sie Shakira Becks
und lebte in der Fulham Road
in London, nur eine Meile
von meiner Wohnung entfernt.
Wissen Sie übrigens wer
den Nescafé-Spot damals
gedreht hat?
WELT.de: Keine Ahnung.
Caine: Ridley Scott! Wie ich
höre, hatte er inzwischen
ein paar Erfolge mit anderen
Filmen, wie "Alien" ... (lacht).
Zuerst wollte Shakira nicht
mit mir ausgehen. Sie
war misstrauisch, in den
Zeitungen sah man mich
ja ständig mit Frauen. Aber
ich habe sie jeden Abend
angerufen, bis sie schließlich
aufgab. So nach dem Motto:
Wenn ich einmal mit ihm
ausgehe, ruft er hoffentlich
nicht mehr an.
WELT.de: Sie heißen eigentlich
Maurice Joseph Micklewhite,
und es heißt, Sie hatten
nur eine halbe Stunde, um
sich Ihren Künstlernamen
auszudenken.
Caine: Das stimmt. Meine
Agentin nervte, weil sie mich
in einem Film unterbringen
wollte. Ich saß in einem
Café, und gegenüber
war ein Kino, in dem gerade
"Die Caine war ihr Schicksal"
mit Humphrey Bogart lief.
Fertig war der Name.
WELT.de: Hätten Sie einen
anderen Namen gewählt,
wenn Sie mehr Zeit gehabt hätten?
Caine: Nein! Ich bin zufrieden
mit meinem Künstlernamen.
Er schreibt sich leicht,
sieht gut aus und ist schön
kurz. Stellen Sie sich
mal vor, ich hätte Autogramme
mit "Micklewhite" geben müssen
. Nur einmal hatte ich Zweifel.
WELT.de: Wann war das?
Caine: Ich war auf den Philippinen
auf einer Party. Und jede
r stellte mich vor:
This is Michael Caine,
Michael Caine, Michael Caine.
Bis die Gastgeberin fragte:
Sind Sie ein Dealer? Als
ich heftig verneinte, fragte
sie mich: Warum nennt Sie
dann jeder "My Cocaine"?

Caine wurde 1933 als
Maurice Jospeh Micklewhite
in London geboren und
wuchs in einfachen Verhältnissen
auf. Nach seinem Militärdienst
in Korea wandte er sich
dem Theater zu und
nahm 1954 den
Künstlernamen Michael Caine
an. Seit 1973 ist er mit
seiner zweiten Frau Shakira
verheiratet. Aus beiden
Ehen hat er je eine Tochter.
Für seine Verdienste um
die Schauspielkunst wurde
er 2000 von der Queen zum
Ritter geschlagen. Nach
mehr als 100 Fernsehrollen
erlebte Michael Caine seinen
Durchbruch auf der großen
Leinwand Mitte der 60er-Jahre
mit Filmen wie "Alfie"
und "The Italian Job".
Für seine Rollen in
"Hannah und ihre Schwestern" (1986)
und
"Gottes Werk und Teufels Beitrag"(1999)
wurde er mit dem Oscar ausgezeichnet.
Demnächst ist er als Zaubertrickerfinder
in dem Historienthriller
"Prestige - Die Meister der Magie"
(Start: 4. Januar) zu sehen.

de quelques gens on peut encore
vraiment apprendre quelques choses...

5.1.07 15:32


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